Andrew Mason und das Phänomen Groupon
Montag, 21.03.2011Ob Forbes, Managermagazin, Focus oder Wall Street Journal – um nur einige zu nennen – alle reißen sich um News rund um das Phänomen mit dem Namen Groupon. So nennt sich die Geschäftsidee von Andrew Mason, die das Trend-Thema Couponing aufgreift.
Die Idee
Das Thema Couponing ist zugegebenermaßen nicht neu. Besonders in den USA wird bereits seit Jahrzehnten in nahezu allen Branchen im Marketing mit Gutscheinen gearbeitet. Auch in Deutschland wird dieses Tool vor allem in Printform eingesetzt. Die wohl erfolgreichsten und bekanntesten Gutschein-Aktionen dürften allen Freunden des Fastfoods vor allem durch McDonals oder BurgerKing bekannt sein.
Groupon überträgt diese Marketing-Strategie erfolgreich in die Online-Welt. Gutscheine (Coupons) werden über Groupon per Mail versendet und nicht mehr als Printversion mit hohen Streuverlusten verteilt. Die Kunden können sich auf der Webseite registrieren und erhalten so regelmäßig die regional relevanten Gutschein-Angebote per E-Mail zugesandt.
Interessierte Unternehmen können Ihre Dienstleistungen oder Produkte (Reise-Voucher, vergünstigte Kinobesuche oder ein Zahnbleaching zum Sonderpreis…fast alles ist möglich) über Groupon anbieten. Gibt es für einen sogenannten Deal genügend Interessenten, kommen die Geschäfte erst zustande. Dies minimiert das Risiko für den Geschäftstreibenden erheblich.
Die Käufer hingegen zahlen per Vorkasse, erhalten Ihre Gutscheine per E-Mail und können diese ausgedruckt einlösen. Groupon erhält bei erfolgreichen Deals die Hälfte des Coupon-Wertes.
So ist aus einer guten Idee innerhalb weniger Monate eines der erfolgreichsten Internet-StartUps nach Facebook und Twitter entstanden. Groupon hat derzeit weltweit 50 Millionen Nutzer und ist in 500 Städten und 40 Ländern vertreten.
Der Gründer
Der Internet-Entrepreneur Andrew Mason ist geboren und aufgewachsen in einem Vorort von Pittsburgh/Pennsylvania. Bereits mit 15 soll er einen Lieferservice für Bagels gegründet haben und sammelte so sehr früh die ersten unternehmerischen Erfahrungen. 2003 schloss er sein Studium der Musik an der Northwestern University in Chicago mit dem Bachelor ab. Die Musik ist jedoch nicht mehr als Leidenschaft in seinem Leben geblieben.
Nach seinem Universitätsabschluss arbeitete er als Web-Designer für Eric Lefkofsky (Top 10 StartUp Billionär 2011 ) der Ihm schlussendlich auch das Startkapital für seine revolutionäre Groupon-Idee zur Verfügung stellte und somit die Voraussetzung für das rasante Wachstum geschaffen hat.
Mit dem Startkapital wurde Groupon 2008 zunächst in Chicago, danach in Boston und schließlich in New York eingeführt. Das deutsche Pendant CityDeal, der Samwer-Brüder (Jamba!) in Zusammenarbeit mit der Rocket GmbH (Spreadshirt) wurde Ende 2010 bereits für einen dreistelligen Millionenbetrag geschluckt.
Ein Kaufangebot von Google über 6 Milliarden Dollar lehnte Mason entschieden ab. Zu seinem Glück: Heute gilt das Unternehmen als das am schnellsten wachsende Internet-StartUp und wird unter Kennern deutlich höher bewertet.
Seine Erfolgsprinzipien formulierte Mason im Rahmen der “Startup School” der Stanford University wie folgt:
- Erschafft ein Werkzeug, kein Kunstwerk. Mason rät davon ab, sich von seinen eigenen hochgesteckten Zielen blenden zu lassen, so wie es ihm mit ThePoint erging. Groupon konzentriert sich dagegen darauf, neue Kunden innerhalb von Sekunden am Haken zu haben.
- Seid euch eurer Grenzen bewusst und akzeptiert sie.
- Habt für den Erfolgsfall eine Erweiterungsstrategie parat.
- Die besten Tools sehen nicht immer cool aus. Groupon verwendet eine einfach und universell einsetzbare Technologie, nämlich E-Mail.
- Richtet euch auch auf ein Scheitern ein. Mason empfiehlt, ein wenig Angst davor im Hinterkopf zu behalten, damit sie einem hilft, sich der Realität zu stellen und optimale Entscheidungen zu treffen.
- Hört rechtzeitig auf. Manchmal muss man eine liebgewonnene Idee auch loslassen.
Der Börsengang und kritsiche Stimmen für die Zukunft:
Das Unternehmen Groupon steht nur zwei Jahre nach seiner Gründung vor dem Börsengang mit einer Erstnotierung, die lt. Nachrichtenagentur Bloomberg zwischen 15 und 25 Mrd Dollar liegen wird. Respekt, nicht einmal Google wurde dermaßen hoch bewertet. 2010 hatte das StartUp Unternehmen laut Schätzungen bereits ca. 760 Millionen Dollar umgesetzt.
Viele befürchten ein Platzen dieser neuen Internet-Blase. Die Traum-Bewertungen der Finanzexperten und selbsterkorenen Internetspezialisten scheinen angesichts dieser Summen kaum noch realistisch zu sein. Wir werden sehen, es wird heiß spekuliert. Sicher ist auf jeden Fall, dass ein so schnell wachsendens Unternehmen für weitere Expansion gewaltige Summen investieren muss. Groupon wird wohl weitere Kleinanbieter und Me-too-Produkte schlucken müssen um selbst bestehen zu können. Doch auch die vielen Kleinanbieter wittern den Profit und werden teurer je höher der Couponing-Riese bewertet wird.
Auch in China warten als nächste große Herausforderung auf Groupon bereits 1.700 ähnliche Portale. Um sich in diesem riesigen Wachstumsmarkt zu etablieren, ist Groupon dort bereits unter dem Namen GaoPeng.com gestartet. Das heißt also, es muss weiterhin ordentlich Konkurrenz geschluckt werden.
Weiteres Störfeuer ist auch von den Großen der Branche zu erwarten: so bauen Facebook Deals und Google Offers ihr Angebot zur Zeit weiter in Richtung Groupon aus.
Es gibt jedoch bei all dem Hype um Groupon kritischer Stimmen, die langfristig ein Scheitern des Modells prognostizieren. Laut Erkenntnissen der Rice University in Texas sind die Groupon-Deals, bei denen es nur Rabatte gibt wenn eine Mindestzahl von Käufern den Zuschlag erteilt, für rund 30% der „Dealer“ nicht profitabel gewesen. Nach Befragung von 15 Firmen kam man zu dem Ergebnis, dass über 40% der Anbieter eine Groupon-Aktion nicht wiederholen wollen.
Wir sind gespannt, wie sich der Shooting Star Groupon in der Web 2.0 Landschaft weiterhin etablieren wird und werden es sicher nicht versäumen, Sie auf dem Laufenden zu halten.
